Freiberufler Stundensatz berechnen - SO funktionierts

Einleitung

Als Freiberufler wird man häufig von Agenturen und Auftraggeber nach dem eigenen Stundensatz gefragt. Aber wie viel kann man verlangen und wo liegt die Grenze zum überheblichen? Das und mehr möchte Ich in diesem Artikel erörtern.

Stundensatz - Was ist das?

Der Stundensatz eines Freiberufler oder eines Dienstleisters ist ein Geldbetrag der pro verrichteter Stunde Arbeit dem Kunden in Rechnung gestellt wird. Arbeitet ein Freiberufler 4 Stunden für einen Kunden, bezahlt dieser ihm für viermal den Stundensatz.

Was ist im Stundensatz enthalten?

Die Berechnung des Stundensatzes eines Freiberuflers enthält Versicherungen, Risiko, Personalkosten und den Gewinn. Die Umsatzsteuer, sowie Materialkosten werden extra ausgewiesen und berechnet.

Auf einen Blick – Was ein Stundensatz beinhaltet:

  • Kosten für Software
  • Urlaub- und Krankheitskosten
  • Personalkosten
  • Betriebshaftpflichtversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • IHK Beiträge
  • Einkommen- und ggf. Gewerbesteuer
  • Krankenversicherung (+ Krankentagegeld)
  • Risiken (Schadensregulierungen, Rechtliche / Politische Veränderungen, Einkommensausfälle)
  • Marketing & Vertrieb
  • Gewinn
  • Rücklagen
  • Steuer- und Rechtsberater
  • Preiserhöhungen (Inflation, Leistung)
  • Büro & Büromaterial

Der Stundensatz muss alle Kosten die im Laufe eines Jahres anfallen abdecken. Dazu ist es notwendig sich alle privaten und geschäftlichen Ausgaben zu notieren und die Beträge zu berechnen.

Wie wird der Stundensatz berechnet?

Um den Stundensatz eines Freiberuflers zu ermitteln gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Sich an der regionalen Konkurrenz orientieren und verschiedene Stundensätze beim Kunden testen.

Möglichkeit 2: Eine Kalkulation durchführen, in der am Ende ein Mindest Stundensatz heraus purzelt. Liste dir hierzu alle betrieblichen und privaten Ausgaben in einer Liste auf und berechne die Summe. Setze für variable Ausgaben wie Benzin, Essen&Trinken, Weiterbildung & Investitionen, Geschenke ein Budget fest, welches du ebenfalls in die Liste mit einträgst.

Nun solltest Du zwei Listen haben mit deinen privaten und betrieblichen Ausgaben und die jeweiligen Beträge (Summen) ermittelt haben.

Die Berechnung sieht wie folgt aus:

Private Ausgaben

+ Betriebliche Ausgaben

= Gesamtkosten

(x 30 %) Einkommenssteuer

= monatlicher Mindestverdienst

Dein persönlicher Einkommenssteuersatz wird am Ende des Jahres von deinem zuständigen Finanzamt berechnet und variiert natürlich. Du kannst aber auch mit dem höchsten Satz von ca. 42% rechnen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Das BMF hat einen Einkommenssteuerrechner veröffentlich, mit dem Du einen realistischen Einkommenssteuersatz berechnen kannst: https://www.bmf-steuerrechner.de/

So, da in dem Stundensatz noch keinerlei Risiken wie Verdienstausfälle oder Krankheiten mit berücksichtigt sind, müssen die natürlich noch in den monatlichen Mindestverdienst mit einberechnet werden.

Monatlicher Mindestverdienst

(x 500 %) Risikoaufschlag

= berechenbarer monatlicher Mindestverdienst

Wie komme Ich auf die 500%?

Ich weiß, dass viele Großhändler ihren Einkaufspreis x5 nehmen um daraus ihre Verkaufspreise zu berechnen. Da ich davon ausgehe, dass Unternehmen mit hohen Ausgaben detaillierter kalkulieren müssen um rentabel zu sein, gehe ich auch weiter davon aus, dass Sie eine höhere Risikoaffinität als andere Unternehmer haben und bessere Preise machen.

So, da in dem Risikoaufschlag, Ausfälle von Personal mit einberechnet sind, was ein ein Mann Betrieb oder Freiberufler in der Regel nicht hat,  kannst Du 1/3 davon abziehen.

Berechenbarer monatlicher Mindestverdienst

( – 33% ) Verdienstausfall durch Personal

= Durchschnittlicher Monatsverdienst

( /160 Arbeitsstunden pro Monat )

= Persönlicher Stundensatz

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Was bedeutet Stundensatz all-in?

Mit Stundensatz All In meinen viele Agenturen, dass damit auch Fahrtkosten, Spesen, Material- und Nebenkosten mit einberechnet sind. Also auch Kosten die üblicherweise separat ausgewiesen werden.

Vergleich zum Angestelltengehalt

Um dein aktuelles Gehalt mit dem eines Freiberufler zu vergleichen ist es notwendig auf dein Gehalt einige Kosten aufzuschlagen, die aktuell durch deinen Arbeitgeber getragen werden. Dazu gehört zu 50% die Krankenversicherung, Betriebshaftpflichtversicherung, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, Kammerbeiträge, Rechtsschutzversicherung, Materialkosten, Marketing und einiges mehr. Der größte Anteil, sind allerdings die Marktrisiken die dein Arbeitgeber für Dich übernimmt. Um ein realistischen Mindest Bruttobetrag pro Monat zu erhalten, solltest Du auf dein aktuelles Bruttomonatsgehalt mindestens 25% obendrauf berechnen.

Verdient ein Freiberufler mehr oder weniger als ein Angestellter?

Das ist pauschal nicht zu beantworten und ist sehr vom Markt und der Persönlichkeit des Freiberuflers abhängig. Ich kenne allerdings keinen Freiberufler, der komplexe Anwendungen programmieren kann und weniger verdient als zu Angestelltenzeiten. Wer allerdings nur ein bisschen Webseiten aufbaut, tut sich da schon schwerer.

Die von der Hays veröffentlichte Studie verdeutlicht das nochmals:

Zur Studie

Wie hoch ist der übliche Stundensatz?

Erfahrungsgemäß und auch aus vielen Studien und Berichten heraus zu lesen, beläuft sich der Stundensatz eines Freiberuflers der komplexe Softwareanwendungen programmieren kann zwischen 60 und 180 Euro pro Stunde. In Märkten, mit großer Konkurrenz und geringen Programmieraufwand, können teilweise auch nur Stundensätze bis 40 Euro pro Stunde erzielt werden.

Stundensatz, Tagessatz oder Festpreis?

Wenn Du bei Kunden vor Ort arbeitest und auf tatsächlicher Basis vergütet wirst, wirst Du vermutlich nicht über eine Berechnung auf Stunden verzichten können. Anders verhält es sich allerdings wenn Du Remote in deinem Office arbeitest und nur größere Projekte entgegennimmst. Hier empfiehlt sich die Berechnung mittels Tagessatz. Einige sehr erfolgreiche freiberufliche Kollegen arbeiten auf Tagessatzbasis und honorieren ihren Tag vierstellig. Festpreise sind nur sinnvoll in überschaubaren und berechenbaren Projekten in denen der Aufwand tatsächlich berechnet werden kann. Was bei größeren und komplexen Projekten häufig nur schwer realisiert werden kann, wird bei Festpreisangeboten die einen gewisse Nachfrage am Markt stillen, mit Skaleneffekten belohnt.

Schlusswort

Es ist wichtig, sich mit dem Thema des Stundensatzes zu befassen. Doch es sollte nicht zu viel Zeit kosten, da das Hauptaugenmerk auf Kundenergebnisse und der Support gelegt werden sollte, um langfristig erfolgreich zu sein. Mit dem x5 Faktor der Risikokalkulation, solltest Du auf der sicheren Seite sein, wenn Du die Preise durchsetzen kannst.

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