Geschäftsidee testen - Praktische Anleitung

Einleitung

Diese Anleitung ist keine exakte Schritt für Schritt Anleitung, da das Testen und Finden einer Geschäftsidee nur eingeschränkt systematisiert werden kann. Die Schritte sind mehr in Wechselwirkung zueinander und müssen immer wieder feinjustiert werden, bis sich irgendwann ein klares Bild abzeichnet. Das dauert viel Zeit und Ausdauer. Das Mitschreiben eigener Erkenntnisse, das Reflektieren von eigenem geschriebenen Text, kann Dich daran erinnern in welche Richtung du zu steuern möchtest, was deine Stärken sind und welche Reaktionen von deinen Mitmenschen kommen.

Schritt 1: Plattform / Kanal / Netzwerk wählen

Suche Dir eine Plattform, einen Kanal, ein Netzwerk auf dem sich Menschen regelmäßig versammeln und austauschen. Das kann Amazon, Facebook, Google, eine Veranstaltung der IHK, ein MeetUp sein. Ganz egal. Umso mehr Menschen sich dort versammeln, desto Besser ist das für den Anfang. Später gehen wir in kleinere Nischen. Wähle also ein Plattform aus.

Meine Plattform:

Twago.

Schritt 2: Check die lage aus

So. Nun bist Du auf der Plattform oder der Veranstaltung. Jetzt geht es darum die Lage auszuchecken. Analysiere die Geber und die Nehmer. Die Käufer und die Verkäufer. Die Fragenden und die Antwortgebenden. Was wird angeboten? Was wird tatsächlich verkauft und was nicht? Welche Kommunikationstechniken scheinen erfolgreich zu sein und welche nicht? Beobachte nur. Und nehme die Dinge zur Kenntnis. Sehe die Probleme und das Wissen der einzelnen Menschen. Notiere dir anschließend alle Erkenntnisse.

Meine Erkenntnisse:

  1. Es gibt Menschen die das gleiche Problem haben wie Ich damals und sich die gleichen Fragen stellen.
  2. Es gibt Menschen, von denen ich Neues hinzulernen kann.
  3. Es gibt Themen, die mich einfach nicht interessieren.
  4. Es gibt Menschen die das gleiche Problem haben wie Ich aktuell und sich die gleichen Fragen stellen.
  5. Es gibt Menschen, die mehr auf emotionaler Ebene kommunizieren und manche mehr auf logischer Ebene.
  6. Es gibt Themen zu denen ich Beratungsresistent (lasse mir nichts verkaufen) bin, da ich meine Alles darüber zu wissen oder die Erfahrung einfach selbst machen möchte, auch wenn es schmerzt.

Schritt 3: Zeige dich von deiner Schokoladenseite

Nachdem Du gesehen hast, was da draußen ab geht und du deine Erkenntnisse notiert hast, geht es jetzt darum Dich im Besten Licht erscheinen zu lassen. Überlege dir, welche Hürden und Probleme Du bereits für Dich persönlich gelöst hast. Welche Themen gehören zu Punkt 1 und 6 deiner Erkenntnisse?

Erstelle dazu eine Liste deiner Erfahrungen.

Liste der Erfahrungen

  1. WordPress Webseite erstellen
  2. Selbständig als Freelancer
  3. IT Business aufbauen
  4. Buch geschrieben
  5. Unterschiedlichste IT Rollen. Als SW-Entwickler, Projektmanager und Softwarearchitekt.

Wähle nun eine deiner Erfahrungen aus, bei der Du dich wohl, selbstbewusst und stark fühlst.

Häufig möchten wir über Themen sprechen die uns aktuell selbst als Problem begegnen und vergessen dabei was wir schon selbst geleistet haben. Mache den Fehler nicht, da es bei einer Geschäftsidee nicht um Dich geht, sondern um deinen zukünftigen Kunden.

Auswahl einer Erfahrung

  1. WordPress Webseite erstellen

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Schritt 4: Zahlen lieben lernen

Schwieriges Thema, aber notwendig, wenn die Geschäftsidee auch für den Lebensunterhalt und mehr sorgen soll muss Sie die anfallenden Kosten, tragen können.

Prüfe dazu wie viele Menschen deine Erfahrung in Form eines Beraters, Coach, Qualitätsprüfer, Vermittler, Dienstleister oder Produzenten kaufen. Prüfe auch wie hoch die Verkaufspreise sind. Je geringer die Verkaufspreise sind, desto mehr Menschen musst Du logischerweise erreichen, um genügend Gewinn zu erwirtschaften. Schätze dazu auch die Kosten die für die Erstellung und Vermarktung anfallen und ziehe Sie vom Preis ab um einen groben Gewinn zu erhalten.

Wenn es nur Bewertungen, ohne einer Anzahl von Verkäufen gibt, dann zähle die Bewertungen. Das Verhältnis von Bewertungen zu Verkäufen ist ungefähr 1:10. Die Zahlen sind keineswegs in Stein gemeißelt und dienen nur als grobe Orientierung.

Beispielzahlen

Anzahl vergebener Ausschreibungen pro Monat: 30

Anzahl Konkurrenten / Mitbewerber: 42

Verkäufe pro Monat: 30/42 = 0,7

Durchschnittlich realistischer Verkaufspreis: 3.000 Euro

Kosten für Herstellung & Vermarktung eines Angebots: 1.850 Euro

Gewinn pro Verkauf:  1.150 Euro

Gewinn pro Monat (DB 1): 1.150 x 0,7 = 805 Euro

Betriebliche Fixkosten (einschl. Gehalt): 2.500 Euro

Betriebskostenanteil des Angebotes: 20 %

Gemeinkostenanteil: 2.500 Euro x 20% = 500 Euro

Betriebsgewinn pro Monat (DB 2): 805 Euro – 500 Euro  = 305 Euro

Schritt 5: Trend wahrnehmen & langfristig denken

Nicht nur die aktuellen Zahlen sind entscheidend, sondern viel mehr der Trend in welche Richtung sich der Markt bewegt. Gibt es zunehmend mehr Konkurrenz oder wächst eher die Nachfrage. Du hast in dem Berechnungsbeispiel oben gesehen, dass sich das direkt auf die Anzahl der Verkäufe auswirkt. Schaue dir also Google Trends an und frage Dich selbst: Ist das zu einfach und lukrativ, dass es schon bald ganz viele Konkurrenten nachmachen werden? Gibt es Menschen die aktiv Konkurrenten anwerben und den Markt übersättigen? Es ist besser, es schwer zu haben und nicht auf beliebte und prominente Züge aufzusteigen, die sehr von Konkurrenten bedroht sind. Das sieht man zum Beispiel auch an dem Anstieg der Klickpreise für Keywords bei Google. Vor 5 Jahren lagen diese noch im Schnitt bei 0,30 Euro. Heute sind gute Key Words nur noch ab 3 Euro pro Klick zu haben. Das können sich dann nur noch etablierte Unternehmen oder StartUps mit viel Wagniskapital leisten. Oder warum glaubst Du, erzählen “Coaches” ihre Geheimnisse, wie Sie mit Amazon FBA, Affiliate, AirBnB, etc. finanziell frei wurden, wenn Sie sich damit weitere Konkurrenten aufbauen würden? Ganz einfach: Weil kurzfristige Geschäfte, reine Spekulationen sind und im Besten Fall mit einem guten Exit enden. Plane also langfristig und gehe die Extrameile.

Was ist eine Spekulation?

Schritt 6: Nische wählen

Schaue dir nochmals die Konkurrenz an. Was bietet Sie an? Was sagen Käufer dazu? Welche Dinge äußern Käufer in Rezessionen zu den Produkten? Gibt es Funktionen die fehlen? Ist der Kundenservice schlecht? Welche Gruppe von Menschen kauft diese Produkte? (Senioren, Anwälte, Frauen, Menschen aus Berlin). Welche Gruppe von Menschen wird von deiner Konkurrenz bereits angesprochen? Schreibe dir alle Erkenntnisse auf.

Was machen deine Konkurrenten richtig gut? Übernehme die Merkmale deiner besten drei Konkurrenten.

Gibt es eine Nachfrage am Markt die offensichtlich nicht angeboten wird?

Wenn ja, dann hast Du eine Angebotsnische gefunden. Jetzt bist Du in der Lage ein Angebot zu erstellen, welches auf den Angeboten deiner Konkurrenz + der ungedeckten Nachfrage basiert.

Wenn nein, dann prüfe ob es eine Gruppe von Menschen gibt, die in ausreichender Anzahl das Produkt kauft, aber  in keinem Angebot der Konkurrenz explizit erwähnt wird.  Wenn Du eine Gruppe gefunden hast, dann berechne nochmals die Zahlen, ob du noch im Gewinnbereich liegst, da die Nachfrage & Konkurrenz gesunken ist. Sollten die Zahlen ein + vorweisen, hast du eine Gruppennische gefunden.

Falls noch nichts geholfen hat, könntest Du noch versuchen der Schnellste, Beste, Günstigste oder Zuverlässigste zu sein. Natürlich musst du die Behauptung unwiderlegbar beweisen. Um das zu erreichen, musst Du meist deiner Konkurrenz in einem der folgenden Punkte überlegen sein:

  1. Mehr Kapital für die effektivsten Mitarbeiter
  2. Bessere Einkaufskonditionen als die Konkurrenz
  3. Mehr Rechte wie Patente
  4. Mehr Zertifikate, Referenzen, Geld zurück Garantien, Haftung

Entscheide dich für eine der Nischen. Eine genügt und sie sollte nicht zu Klein sein. Mit der Auswahl auf eine Nische bist du vielen deiner Konkurrenten schon einen großen Schritt voraus.

Meine Nische (Angebotsnische)

Ich erstelle WordPress Webseiten die Verkaufs- und Fullfillmentprozesse automatisiert.

Schritt 7: Standort wählen

Viel entscheidender als die richtige Nische ist tatsächlich der Standort. Wo platzierst Du dein Angebot? Existiert dort ein Nachfrage- oder ein Angebotsüberhang? Prüfe verschiedene Plattformen und denke ruhig um die Ecke. Zum Beispiel könnte die Konkurrenz bei Google zu groß sein, dafür bei Pinterest gering. Oder in der Fußgängerzone zu groß, dafür auf dem Wochenmarkt gering. In München zu groß dafür in Salzburg gering. Prüfe dort das Verhältnis von Konkurrenz zu Nachfrage und entscheide Dich für einen Standort.

Mein Standort

Ist logischerweise ein Geheimnis.

Schritt 8: Angebot erstellen

Erstelle nun ein Angebot welches Du verkaufen möchtest. Das Angebot sollte folgende Dinge beinhalten:

  1. Was bietest du an? (z.B. WordPress Webseite mit Vertriebs- und Fullfillmentautomatisierung)
  2. Wem bietest Du das an? (z.B. KMUs aus Berlin Kreuzberg)
  3. Welche Merkmale & Funktionen beinhaltet das Angebot und was hat der Kunde davon? (z.B. Geringere Kosten, Mehr Umsatz)
  4. Wie wird das umgesetzt? Welche Schritte sind notwendig? (z.B. 1. Anforderungsaufnahme, 2. Analyse des IST Zustands, 3. Möglichkeiten zur Lösung erörtern, …)
  5. Wie lange dauert die tatsächliche Umsetzung und wie viele Tage setzte ich als Sicherheit an? (z.B. 7/14 Tage)
  6. Was kostet mich die Umsetzung?
  7. Welchen Preis setzte ich dafür an?
  8. Welchen Service biete ich an? (z.B. Erreichbarkeiten, Antwortzeiten, Geld zurück, Welche Apps zum Kommunizieren)
  9. Wie beweise ich meine Kompetenz, dass ich das gut kann? (z.B. Referenzen, Empfehlungen, Zeugnisse, Zertifikate)
  10. Welche Anforderungsdetails benötige ich von dem Kunden zur Umsetzung (z.B. Domain, CI, Texte, Zugänge)

Schaue dir dazu ebenso Angebote von Konkurrenten an und von Bestsellern. Und überlege dir was macht die Bestseller so attraktiv, dass die Kunden das Angebot kaufen?

Schritt 9: Angebot veröffentlichen

Damit du dein Angebot professionell anbieten kannst und deinen Kunden die Möglichkeit zu geben es sich durchzulesen, solltest Du es auf einer Webseite als One Pager veröffentlichen. Ein One Pager ist eine Webseite mit nur einer einzigen Seite. Wie Du mit WordPress einfach eine eigene Webseite erstellen kannst, erfährst Du in zahllosen Youtube Videos. Mache nur nicht den Fehler und registriere dich bei einem kostenpflichtigen Hoster, da du ja noch nicht weißt ob deine Geschäftsidee auch erfolgsversprechend ist. Mit den folgenden Ressourcen solltest Du das selbst schaffen können:

WordPress Webseite installieren: WordPress Installieren

SalesPage Aufbau: Mehr Geschäft

Kostenfreie One Page Themes: One Page Love

Kostenfreies Hosting: Kostenfreies Hosting

Alternativ kannst Du auch WIX und JIMDO kostenfrei nutzen. Allerdings wird dir dort Werbung auf der Webseite angezeigt und Du hast keine eigene Domain.

Beispielangebot

WordPress Webseite mit Avada Theme

Schritt 10: Tracking und A/b Tests

Tracke das Besucheraufkommen auf deinem Angebot und erstelle A/B Tests um zu sehen, welche Seiten Optimierungen mehr Termine und Käufe ergeben. Das kannst du mit Google Analytics und Optimize Google erreichen. Achte allerdings darauf, deine Besucher DSGVO konform darüber zu informieren: E-Recht24

Schritt 11: Traffic und Vertrauen aufbauen

Damit Du feststellen kannst, ob dein Angebot auch tatsächlich ‘gut genug’ ist, brauchst du genügend Traffic auf der Webseite. Bei einer üblichen Conversion Rate (Anzahl Termine / Anzahl Menschen auf Webseite) von ungefähr 0,5% auf Gratis Beratungsgespräche, müsstest Du also mindestens 200 Menschen auf deine Webseite bringen. Hierbei sind die einzelnen Besucher (auch unique visits genannt) wichtig, die deine Seite besuchen. Also, nicht die Gesamtanzahl der Besuche, sondern die Anzahl einzelner Besucher ist hier entscheidend. Umso einfacher Du es den Besuchern deiner Webseite machst, mit Dir Kontakt aufzunehmen, desto besser wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch deine Conversionrate sein. Die besten Conversionraten erzielen derzeit kostenfreie E-Books und Webinare.

Plattform verstehen

Nutze also eine Plattform um genügend Traffic aufzubauen. Schaue dir YouTube Videos an, um zu verstehen, wie der Kanal am Besten funktioniert und lerne aus Fehlern.

Vertrauen aufbauen

Die meisten Menschen kaufen nicht beim ersten Mal. Sie müssen erst zu dir und deiner Dienstleistung Vertrauen aufgebaut haben. Biete Ihnen also die Möglichkeit an, mit dir 3-9x bevor es zum tatsächlichen Verkauf kommt, in Kontakt zu treten. Das können Blogartikel sein, YouTube Videos, ein Newsletter, eine WhatsApp Nachricht oder etwas anderes. Wichtig ist nur, dass Sie mindestens 3x mit dir in Kontakt getreten sind, bevor Du ihnen ein konkretes Angebot vorstellst. Anschließend kannst Du ihnen den Link zu dem Angebot mitteilen.

Schritt 12: Verkaufsgespräch

Solltest Du dein Angebot nicht direkt über die Webseite verkauft haben (was nur bei Produkten mit einem geringem Preis unter 300 Euro empfehlenswert ist), dann solltest Du Gespräche mit Kunden vereinbart haben. Dort ist es wichtig dem Kunden zuzuhören und auf Ihn einzugehen. Schließlich sollen seine Probleme gelöst werden. Erkundige Dich danach wer anruft, um mehr über deine Zielgruppe zu erfahren und was die tatsächlichen Probleme sind, um so deine Webseite und deine Angebot zielgerichteter zu positionieren. Es ist empfehlenswert direkt im ersten Verkaufsgespräch das Angebot zu verkaufen, da ansonsten die Verkaufswahrscheinlichkeit erheblich sinkt.

Schritt 13: Auswerten und Optimieren

In regelmäßigen Abständen (z.B. alle 7 Tage) solltest Du die Conversion Zahlen überprüfen und überlegen was du verbessern kannst. Auch wenn der sichtbare Erfolg meist länger braucht (mind. 3 Monate) ist es wichtig, immer wieder den IST Zustand und das Erreichte zu reflektieren. Gebe ein Angebot nicht zu schnell auf und bleibe dabei. Denn es braucht seine Zeit, bis es Früchte trägt. Das ist zugleich der mit Abstand schwerste Teil, da es jede Menge Disziplin (tägliche Traffic Generierung), sowie Vertrauen in die Sache (z.B. die Positionierung stimmt noch nicht) benötigt. Bleibe bei einer Sache, Optimiere und du wirst Erfolg haben.

Schlusswort

Der wichtigste Punkt ist gleichzeitig der Letzte. Bleibe bei einer Sache. Bei einer Positionierung, einem Kanal und optimiere regelmäßig. Gebe nicht auf, denn was dich nicht umbringt, macht dich nur härter.

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